Das Bild zeigt Fahnen vor einem Gebäude der FH Aachen.
Quelle: PtJ

„Die Leute kommen gerne zurück“ - das Projekt im Interview

Im Gespräch erzählen die Projektverantwortlichen, wie sie mit FH-Personal die Arbeitgebermarke der Hochschule neu aufgebaut haben, was die FH Aachen attraktiv macht und warum es manchmal das wichtigste ist, dass potentielle Bewerberinnen und Bewerber eine Verbindung zur Stadt haben.

Was ist die FH Aachen für eine Hochschule?

Die FH Aachen wurde 1971 gegründet und ist aus mehreren Ingenieurschulen hervorgegangen. Bis heute ist der MINT-Bereich an unseren beiden Standorten in Aachen und Jülich daher stark. Dazu kommen die Wirtschaftswissenschaften und die Fachbereiche Architektur und Gestaltung. Wir haben um die 14 000 Studierende, 230 Professorinnen und Professoren, insgesamt etwa 1200 Beschäftigte.

Wie sieht die Lage bei der Besetzung von Professuren aus?

Als wir mit dem „FH-Personal“-Projekt angefangen haben, war es so, dass es für einige Fächer nur noch wenige qualitativ hochwertige Bewerbungen gab. Das wollten wir verändern. Zudem war es uns wichtig, den Frauenanteil zu erhöhen. Dabei haben wir gemerkt, dass wir im Bewerbungsprozess keine Frauen verlieren: Der Anteil der Bewerbungen von Frauen beträgt aktuell etwa 20 Prozent, Frauen machen dann auch unter den Berufungen 20 Prozent auf. Also geht es für uns darum, erstmal die Zahl der guten Bewerbungen zu steigern.

Eines der Kernziele in ihrem Projekt ist die Entwicklung einer Arbeitgebermarke der FH Aachen. Warum?

Vor dem Projekt gab es keine Arbeitgebermarke an der FH Aachen. Das Marketing hat sich vorher vor allem auf Studierende konzentriert. Es wurde hin und wieder mal eine Berufsmesse besucht, aber da gab es kein strategisches Konzept hinter. Das war uns wichtig, dass wir da ganz neu ansetzen und vermitteln: Bei uns kann man nicht nur studieren, sondern auch arbeiten, in spannenden Berufsfeldern, einer interessanten Region.

Was waren Ihre ersten Schritte?

Gemeinsam mit einem Professor, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt, haben wir uns erstmal angeschaut, was überhaupt unsere Stärken und Schwächen als Hochschule sind. Dann haben wir Workshops gemacht, um herauszufinden, wofür die FH Aachen als Arbeitgeber steht und welche Personenkreise für uns interessant sind. Anschließend haben wir gemeinsam mit einer Agentur ein Konzept entwickelt, das auch zur Dachmarke passt.

Wie ging es dann weiter?

Wir haben alles neu aufgesetzt. Wir haben einen neuen Messestand sowie Flyer entwickelt und produzieren lassen, eine Linkedin-Kampagne durchgeführt und unsere Stellenanzeigen überarbeitet. Unsere Website haben wir neu gestaltet und einen Image-Film gedreht. Zudem haben wir mit dem Aufbau eines Talent-Pools begonnen, das ist unser zweites großes Standbein. Da kann man sich einfach anmelden, bekommt dann regelmäßig Informationen, Einladungen zu Veranstaltungen, natürlich auch die aktuellen Stellenausschreibungen. Bisher funktioniert das sehr gut, wir hatten sogar schon Bewerbungen aus dem Pool.

Was haben Sie im Projekt über Ihre Hochschule gelernt? Was macht eine Professur an der FH Aachen attraktiv?

Eine Professur an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften ist grundsätzlich erstmal attraktiv. Es ist eine sinnhafte Tätigkeit ist. Man bildet die Fachkräfte von morgen aus, hat große Freiheiten in der Gestaltung der Arbeitszeiten und Inhalte und gleichzeitig eine hohe Sicherheit. Für uns war dann natürlich noch die Frage wichtig, was die FH Aachen speziell interessant macht. Ist es das Leben am Dreiländereck? Oder eine Region, die sich nach dem Ende des Braunkohleabbaus im Strukturwandel befindet und die unglaublichen Möglichkeiten für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bietet, etwas zu verändern?

Und, was ist wichtiger? Die Internationalität des Dreiländerecks oder die Struktur selbst?

Es geht tatsächlich vor allem um die regionale Verankerung in Aachen und Jülich. Viele unserer Professorinnen und Professoren haben einen Bezug zu Aachen. Sie kommen von hier oder haben hier studiert. Das sind Leute, die sehr gerne zurückkommen würden und die für uns attraktiv sind. Das war für uns auch etwas, was wir gelernt haben: Oft muss es gar nicht das große Buzzwort sein, sondern einfach eine bodenständige Ansprache, die versteht, was für Bewerberinnen und Bewerber wirklich zählt.

Sie suchen vor allem im MINT-Bereich, in Aachen gibt es mit der RWTH eine der größten technischen Universitäten des Landes. Ist das eher Fluch oder Segen?

Wir sehen das als Segen. Die RWTH bildet sehr viele Nachwuchskräfte aus, die irgendwann für uns in Frage kommen könnten. Wir arbeiten daher eng mit der RWTH Aachen oder auch dem Forschungszentrum Jülich zusammen. Wir haben regelmäßige Netzwerktreffen zum Austausch, beteiligen uns bei Events. Die Entscheidung, welche Karriere man einschlägt, findet ja oft am Ende der Promotion statt. Und da wollen wir schon mal drauf hinweisen, dass es auch nach dem Einstieg in die freie Wirtschaft nochmal einen attraktiven Weg zurück an die Hochschule gibt.

Die Niederlande und Belgien liegen direkt nebenan. Können Sie auch dort Professorinnen und Professoren gewinnen?

Das ist aktuell noch schwierig. Wir glauben, da ist in den Köpfen noch eine Grenze drin. Wir versuchen im Moment, ein wenig zu evaluieren, was da noch Faktoren sein könnten: Ist es das unterschiedliche Hochschulsystem? Die Sprachbarriere? Kriegen wir da einen Fuß in die Tür bei den Karriereberatungen, bei den Promovierenden, um herauszufinden, was braucht es denn, damit auch Niederländer und Belgier die Attraktivität des Berufs erkennen können?

Wie fällt ihr Zwischenfazit zum Projekt aus?

Ich glaube, es ist sehr viel Basisarbeit, die wir in dem Projekt machen. Wir haben viele Dinge angeschafft und angegangen, die es vorher einfach noch nicht gab. Darauf können wir nun hervorragend aufbauen. Wo vorher grüne Wiese war, ist jetzt schon richtig was entstanden.

Profilfoto Böhler

Meike Böhler, Leiterin des Projekts, mit den Scouts.