Quelle: Jade Hochschule

Im Interview

„Mehr Raum für Kreativität in der Forschung“

Prof. Dr.-Ing. Katharina Teuber ist seit 2022 Professorin an der Jade Hochschule am Studienort Oldenburg. Sie leitet das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft und ist Studiengangsverantwortliche für den neuen Studiengang Umweltingenieurwesen-Bau. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich insbesondere mit Modellierung, Digitalisierung und KI-Anwendungen in der Wasserwirtschaft. Im Interview berichtet sie, wie sie die Freiräume ihrer Schwerpunktprofessur nutzt, welche Impulse daraus für Lehre und Transfer entstehen und warum zusätzliche Forschungszeit gerade bei dynamischen Themen wie KI einen entscheidenden Unterschied machen kann.

Ihnen wurde im Rahmen des Projektes JadeProf eine Schwerpunktprofessur eingerichtet. Wie nutzen Sie die gewonnene Zeit durch die reduzierte Lehrverpflichtung konkret für Forschung und Transfer?

Durch die reduzierte Lehrverpflichtung entstehen Freiräume in meinem Semesterplan. Diese kann ich einerseits für die Teilnahme an Fachgremien und Fachveranstaltungen und damit für den Ausbau meines Netzwerks nutzen. Viel relevanter ist aber, dass ich die gewonnene Zeit für Publikationen und das Schreiben von Forschungsanträgen verwenden kann und gleichzeitig laufende Forschungsaktivitäten wie Projekte oder Dissertationen vertiefter betreuen kann. Dadurch können Forschungsideen nicht nur entwickelt, sondern auch schneller in Anträge, Projekte und Publikationen überführt werden.

Welche anwendungsorientierten Forschungs-/Transferprojekte haben Sie im Rahmen Ihrer Schwerpunktprofessur umgesetzt?

Wir konnten in diesem Zeitraum drei Projekte als Auftragsforschung und eine große Forschungskooperation als Drittmittelprojekt akquirieren. Thematisch beschäftigen sich die Projekte unter anderem mit KI-gestützter Modellierung von Kanalnetzen, Schwammstadtansätzen im Radverkehr, dem energieeffizienten Betrieb einer Kläranlage in Südafrika sowie der Digitalisierung wasserwirtschaftlicher Systeme. Von den Auftragsprojekten ist bereits eines beendet, zwei weitere werden bis zum Auslaufen der Schwerpunktprofessur beendet sein. Aus diesen Projekten entstehen wiederum neue wissenschaftliche Fragestellungen, Abschlussarbeiten und Kontakte zu weiteren Praxispartner_innen.

Welche neuen Netzwerke oder Kooperationen mit der Praxis konnten Sie durch die Entlastung bereits knüpfen?

Durch die Teilnahme an mehreren Fachgremiensitzungen konnte ich mein Netzwerk in der Wasserwirtschaft themenbezogen erweitern. Gleichzeitig konnte ich durch die gewonnenen Kapazitäten Keynotes auf mehreren Veranstaltungen halten und an wissenschaftlichen Konferenzen teilnehmen. Aus dieser erhöhten Sichtbarkeit sind inzwischen konkrete Projektanfragen, gemeinsame Projektentwicklungen und neue Kooperationen entstanden.

Welche neuen Lehrformate, Lehrinhalte und/oder sonstige Lehrinnovationen haben Sie entwickelt?

Für mich ist die Schwerpunktprofessur sehr eng mit dem erfolgreichen Aufbau des Studiengangs Umweltingenieurwesen-Bau verknüpft. Da dieser erst im Wintersemester 2024/25 gestartet ist, gab es viele neue Lehrinhalte zu konzeptionieren. Dabei konnte ich aktuelle Inhalte aus Forschung und Praxis unmittelbar in die neu entwickelten Module integrieren. Weiterhin konnte ich mich als Mitglied in Berufungskommissionen aktiv in die Besetzung von für den Studiengang relevanten Professuren einbringen und auch Angebote zur Bewerbung des Studiengangs erstellen.

Was war für Sie persönlich das erfreulichste Highlight und macht die Arbeit jetzt, da Sie mehr Raum für die eigene Forschung haben, noch mehr Spaß?

Ich war auch vor meiner Schwerpunktprofessur bestrebt aktiv Forschung zu betreiben, da sie ein Bestandteil meines Berufs ist, der mir sehr viel Freude bereitet. Die Schwerpunktprofessur hat es mir aber ermöglicht, dass die Forschung wieder mehr Raum in meiner Tätigkeit einnehmen kann. Vor allem hat mir dies wieder mehr Raum für Kreativität in der Forschung gegeben. Beispielsweise konnte ich ein Multi-Agenten-KI-System zur Kalibrierung von Kanalnetzmodellen erstellen und auf diversen Konferenzen vorstellen. Ein Fachartikel hierzu befindet sich aktuell in Begutachtung. Dieses Thema hätte ich vermutlich auch ohne die Schwerpunktprofessur aufgegriffen, die Entwicklung wäre aber deutlich langsamer verlaufen, was gerade bei einem sich so dynamisch entwickelnden Feld wie KI ein erheblicher Nachteil wäre.

Wie kommt Ihr spezieller Fokus bei den Studierenden in den Hörsälen und Laboren an?

Nach meiner Wahrnehmung sehr gut. Gerade aktuelle Themen wie KI, Digitalisierung oder modellbasierte Ansätze wecken bei vielen Studierenden Interesse, weil sie sehen, wie sich klassische wasserwirtschaftliche Fragestellungen mit neuen Technologien verbinden lassen. An geeigneten Stellen können Studierende dabei auch unmittelbar an Fragestellungen aus laufenden Projekten arbeiten, etwa im Rahmen von Projekt- oder Abschlussarbeiten. Eine in diesem Zusammenhang angefertigte studentische Arbeit wurde dabei in diesem Jahr sogar mit einem Preis ausgezeichnet.

Welche Impulse setzt Ihre Schwerpunktprofessur für die Weiterentwicklung der Hochschule bzw. des Fachbereichs und des Nachwuchses?

Die Schwerpunktprofessur stärkt aus meiner Sicht vor allem die Verbindung von Forschung, Lehre und Transfer im Fachbereich. Neue Forschungsthemen und Kooperationen können aufgebaut und anschließend auch in Lehrveranstaltungen, Abschlussarbeiten und studentische Projekte eingebracht werden. Gleichzeitig entstehen dadurch mehr Möglichkeiten, Studierende frühzeitig an aktuelle Forschungsfragen heranzuführen und wissenschaftliche Mitarbeitende bzw. Promovierende intensiver zu betreuen. Auch die Kontakte zu Praxispartnern sind dabei wertvoll, weil sie wiederum neue Themen und Kooperationsmöglichkeiten für den Fachbereich und unsere Studierenden eröffnen. So entsteht im Idealfall ein Kreislauf: Neue Forschung führt zu Kooperationen und Projekten, diese liefern wiederum aktuelle Fragestellungen für Lehre und Nachwuchs und stärken gleichzeitig die Sichtbarkeit des Fachbereichs gegenüber Praxis und Wissenschaft.

Welchen konkreten Erfolg Ihrer Schwerpunktprofessur sollten die FHP-Scouts als Best-Practice-Beispiel mitnehmen?

Für mich zeigt sich der Erfolg besonders darin, welche Hebelwirkung gezielt geschaffene Forschungszeit an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften entfalten kann. In relativ kurzer Zeit konnten wir mehrere Projekte akquirieren und gleichzeitig neue eigene Forschungsthemen entwickeln. Ein Beispiel ist unser Multi-Agenten-KI-System zur Kalibrierung von Kanalnetzmodellen, aus dem bereits wissenschaftliche Beiträge, Konferenzpräsentationen und neue Kontakte entstanden sind. Die Schwerpunktprofessur schafft damit nicht nur Zeit für Forschung, sondern kann unmittelbar zu neuen Projekten, Transfer und einer höheren Sichtbarkeit des Fachgebiets führen. Entscheidend ist dabei aus meiner Sicht, dass die Entlastung nicht isoliert wirkt: Aus zusätzlicher Forschungszeit entstehen Publikationen und Projektideen, daraus wiederum Sichtbarkeit, Kooperationen und Drittmittel. Diese fließen anschließend zurück in Lehre und Nachwuchsförderung.