Im Interview
„Die Vernetzung untereinander ist oft sehr hilfreich“
Alexander Pauls ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Jade Hochschule in der Abteilung Technik und Gesundheit für Menschen (TGM). In seiner Doktorarbeit hat er sich mit den Beteiligungsmöglichkeiten und der Motivation älterer Menschen beschäftigt, damit diese heterogene Gruppe aktiver an Forschungs- und Entwicklungsprozessen von unterstützenden Technologien mitarbeiten können. Die kooperative Promotion wurde von der Jade Hochschule und der Universität Bremen betreut. Im Interview spricht Pauls über die Chancen und Herausforderungen einer kooperativen Promotion, seine Erfahrungen mit Forschung und Lehre und darüber, was ihm auf dem Weg zur Promotion besonders geholfen hat.
Was ist eine kooperative Promotion?
Bei einer kooperativen Promotion arbeiten Promovierende an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften, wie der Jade Hochschule, an einem eigenen Forschungsprojekt und sind gleichzeitig an einer Universität als Doktorand*in eingeschrieben. Beide Einrichtungen arbeiten eng zusammen und betreuen den Promovierenden während dieser Zeit.
Was gefiel Ihnen am Promovieren?
Besonders hat mir die vertiefte Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen gefallen, die mit unterschiedlichen Methoden beantwortet werden konnten, wie Fokusgruppen oder einer Onlinebefragung. Dadurch habe ich fachlich und methodisch viel gelernt.
Gab es eine Phase, in der Sie an Ihrem Ziel zweifelten? Wie haben Sie sich durch die schwierigen Phasen gekämpft?
Ich promovierte kumulativ, das bedeutet, dass statt einer Monografie mehrere thematisch zusammenhängende wissenschaftliche Publikationen die Grundlage einer Dissertation bildeten. Die Peer-Review-Prozesse bis zur Veröffentlichung, also die Gutachten von meistens zwei unabhängigen Personen, können zeitaufwendig sein und Rückschläge bedeuten, wenn z. B. auch mal Manuskripte abgelehnt werden. In diesen Phasen war die Unterstützung der Betreuenden sehr hilfreich. Wir haben solche Situationen in unseren Treffen besprochen und gemeinsam neue Lösungswege entwickelt, in diesem Fall dann auch alternative Zeitschriften diskutiert und ausgewählt.
Wie war es auf Konferenzen zu sein und sein Thema vorzustellen?
Es ist ein tolles Gefühl, auf Konferenzen Teilergebnisse aus der eigenen Arbeit vorzustellen. Die Diskussionen und Nachfragen der Zuhörenden waren besonders hilfreich. Auch die Kontakte, die dadurch geknüpft wurden, sowie weitere Kongressveranstaltungen zu vergleichbaren Fragen und Themen, haben mir geholfen, meine Ideen und Ansätze immer wieder zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Gibt es einen Funfact zu Ihrem Arbeitsthema?
Ein Funfact aus der Zusammenarbeit mit älteren Menschen im Rahmen meiner Promotion ist, dass viele Personengruppe technische Lösungen oft viel pragmatischer entwickeln würden als die Forschenden. Häufig lautete die wichtigste Frage aus deren Perspektive nicht: „Was kann die Technik?“, sondern: „Brauche ich das überhaupt im Alltag?“.
Wie wurden Sie von JadeProf unterstützt?
Die größte Unterstützung war die durch das JadeProf-Projekt finanzierte Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, die mir dadurch ausreichende zeitliche Ressourcen für die Promotion bot. Zusätzlich wurden Kongressreisen und Sachmittel für Materialien finanziert. Zudem halfen verschiedene Angebote, etwa regelmäßige Treffen der Promovierenden sowie die Unterstützung durch Schreibwerkstätten, Coaching und Veranstaltungen wie zum Thema Projektmanagement.
Wie hat Ihnen die Lehre und das Arbeiten mit den Studierenden gefallen?
Die Lehre hat mir sehr gut gefallen, insbesondere der enge Kontakt zu den Studierenden. Ich bin an der Jade Hochschule in zwei Studiengängen eingebunden, in denen die Studierenden, wie ich auch, über Berufserfahrung im Gesundheitswesen verfügen. In den Veranstaltungen war es mir wichtig, die vorgegebenen Inhalte und Themen aus den Modulhandbüchern, sofern es passte, auch mit meiner Forschung zu verbinden. Beispielsweise habe ich eigene Studienergebnisse mit denen diskutiert oder theoretische Modelle angewendet, die ich in meiner Arbeit genutzt und zum Teil bezogen auf meine Fragestellungen weiterentwickelt habe. Ich bin mir sicher, dass beide Seiten davon profitieren konnten.
Würden Sie nochmal eine Promotion anstreben?
Ja, eine Promotion ist zwar sehr zeitintensiv, aber die Erfahrungen, die ich dabei sammeln konnte, waren sehr bereichernd.
Wie würden Sie die Jade Hochschule beschreiben?
Ich sehe die Hochschule als einen Ort, an dem gesellschaftliche und innovative Themen schnell aufgegriffen werden, zum Beispiel das Thema Künstliche Intelligenz oder die Einrichtung neuer Studiengänge aufgrund des gestiegenen Bedarfs an Fachkräften in der Region. Da die Hochschule nicht zu groß ist, ist das Miteinander in der Regel offen und teils familiär.
Was würden Sie zukünftigen Promovierenden raten, wenn sie an Ihrer Stelle wären?
Bezüglich des Zeitplans sollten ausreichend Puffer eingeplant werden, damit Unvorhersehbares gut aufgefangen werden kann. Bei der Bearbeitung der Studien sollten auch immer alternative Methoden in Betracht gezogen werden. Es sollten gemeinsame Veranstaltungen unter Promovierenden genutzt werden. Falls sie in der eigenen Abteilung noch nicht bestehen, lohnt es sich, ein solches niedrigschwelliges Format zu etablieren. Die Vernetzung untereinander und ein Forum zu haben, in dem alles besprochen und gefragt werden kann, ist oft sehr hilfreich.
Wenn Sie Professor werden würden – was wäre für Sie das Wichtigste an einer solchen Position?
Wichtig wäre mir die Verbindung zwischen praxisorientierter Lehre und eigener Forschung. Es ist bereichernd, mit Studierenden zu unterschiedlichen Themen zu diskutierten, dadurch die Reflektionsfähigkeit anzuregen und sie ggf. auch aktiver in Forschungsprozesse einzubeziehen. Auch die Autonomie in der Gestaltung der eigenen Lehre und der Aufbau eigener Forschungsschwerpunkte wären reizvolle Aspekte.
Und was ist das Wichtigste, das Sie aus dieser Reise mitgenommen haben – nicht nur für Ihre Karriere, sondern für Ihr Leben?
Das Wichtigste ist, dass man die gesetzten Ziele nicht aus den Augen verlieren sollte und es wichtig ist, sich neben der Promotion auch anderen privaten Themen zu widmen. Dazu gehört auch, das private Netzwerk und soziale Beziehungen zu pflegen.